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2017 - Pressestimmen

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Fränkischer Tag Bamberg, 3. Oktober 2017 - Ausgabe Kronach

Große Gefühle
Mit zwei großartigen Konzerten endete die Kronacher Klassik Akademie. Die Emotionen sprangen auf das Publikum über.
von Nicole Julien-Mann

Mit Pauken und Trompeten hatten die Abschlusskonzerte der Kronacher Klassik Akademie 2017 begonnen, und sie endeten mit tosendem Applaus, Begeisterungsrufen und Standing Ovations. Das Publikum dankte den Musikerinnen und Musikern und diese wiederum ihrem Dirigenten Néstor Bayona für das Ergebnis seiner intensiven Probenarbeit.

Das Orchester spielte atmosphärisch dicht, mit deutlich herausgearbeiteter Dynamik schmelzend, schwungvoll, tosend, wie es die Stücke eben erforderten. Es überzeugte als sinfonischer Klangkörper genauso wie als sensibler Begleiter der beiden jungen Solisten.

Nach nur wenigen Tönen stand das Publikum vollkommen im Bann der Stockheimerin Eva Friedrich. "Eine ganz besondere Stimme mit reinster Intonation und wunderbarer Ausstrahlung", attestierte ihr Rainer Kober, der Vorsitzende von Kronach Créativ und Gastgeber der Klassik-Akademie. Eva Friedrichs lyrischer Sopran ist stabil und rund in der Tiefe und mühelos in der Höhe. Dramatischen Ausdruck wie in der Arie "Son pochi fiori" aus der Oper "L'amico Fritz" von Pietro Mascagni beherrscht sie genauso wie verhaltene Töne. Ihr Pianissimo in Richard Strauß' "Morgen!" trägt bis in den letzten Winkel. Die Rosen-Arie aus Mozarts Figaro ist wie für ihre Stimmbänder gemacht: Kokett, liebend und verführerisch lässt sie ihre Stimme an- und abschwellen, kongenial unterstützt von den Holzbläsern. Ein Riesentalent, von dem man hoffentlich noch viel hören wird.

Erst 17 Jahre alt war Mozart, als er sein erstes Klavierkonzert komponiert hatte. Der ebenfalls 17-jährige Giovanni Antonio Gromek spielte das daraus abgewandelte Konzertrondo D-Dur. Ein Ohrwurm, dessen eingängige Melodie darüber hinweg täuscht, welch technische Versiertheit es erfordert, dieses Stück in der locker-leichter Mozart-Manier wiederzugeben. Halsbrecherische Sprünge, schnelle Läufe und Triller in der rechten und linken Hand über lange Passagen sind Fingerakrobatik in Reinkultur. Gromek lieferte nicht nur ein technisch perfektes Stück ab, es gelang ihm sogar, die nicht unerheblichen Schwächen des Flügels mit austariertem Anschlag zu kaschieren.

Der Anfang des Konzerts gehörte dem Orchester mit der Balletsuite "Der Dreispitz" von Manuel de Falla. Die besagten Pauken und Trompeten kündigen die Geschehnisse an: Eine schöne Müllerin macht einen hohen Beamten lächerlich, der sich an sie heranmachen will. Bräsig-behäbiges Fagott trifft auf leidenschaftliche Flamenco-Rhythmen und lockende Castagnetten. Die Sommerhitze flirrt im Flimmern der Streicher.

Néstor Bayonas Taktstock wird zum Espada eines Toreros. Er dirigiert mit ganzem Körpereinsatz, bleibt dabei aber immer authentisch und elegant. Seine Bewegungen verharren nicht in der Pose. In den Stücken mit den Solisten nimmt er sich komplett zurück, aber bei Beethovens sechster Sinfonie in F-Dur lässt er sein Temperament von der Leine. Die sogenannte Pastorale ist eine szenische Darstellung in Musik umgesetzt. Bayona scheint der Anführer der Leute zu sein, die sich am Bach treffen, er führt den Tanz an, bis ein Gewitter aufzieht. Nicht irgendeines, sondern ein Beethoven'sches: Celli und Bässe lassen den Donner grollen, die Violinen den Regen peitschen und Blitze prasseln, der Wind pfeift, die Welt ist im Aufruhr. Im fünften Satz, dem Hirtengesang, sind alle froh und dankbar dafür, dass alles überstanden ist. Die Hirten rufen ihre Schäfchen zurück, und die finden genauso ins Ziel, wie die Musikerinnen und Musiker, denen das anspruchsvolle Werk alles abverlangt hat. Sie haben dieses kräftezehrende Programm immerhin zwei Mal an diesem Tag aufgeführt.

Die Emotionen sind auf das Publikum übergesprungen und entladen sich in lang anhaltendem Applaus.
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Neue Presse Coburg, 5. Oktober 2017 - Feuilleton

Wohlklang und Temperament
Néstor Bayona freut sich über eine gelungene Premiere bei der Kronacher Klassik Akademie. Er geht frisch ans Werk.
von Dr. Peter Müller

Viel Temperament, pointierte Konzertanz und romantische deutsche Seele brachte der neue junge musikalische Leiter der Kronacher Klassik Akademie, Néstor Bayona, für sein erstes Konzert am Sonntag in das Foyer der Maximilian-von-Welsch-Schule mit. ... Mit der “Suite Nr. 1 aus dem Ballett ‘Der Dreispitz’” von Manuel de Falla brachte er zum Auftakt anspornendes spanisches Temperament, mitreißende Rhythmen, wirbelnde Tänze und stolze Grandezza in den fränkischen Herbst.

Der 16-jährige Giovanni Antonio Gromek ... schloss mit viel Spielfreude, leichtem und klassisch-spitzem Anschlag im “Konzertrondo für Klavier und Orchester KV 382” von Wolfgang Amadeus Mozart an die leichte luftige Atmosphäre des spanischen Festes an. In einem großen fröhlichen Bogen und mit viel Fingerspitzengefühl und anmutiger Grazie trieb er die virtuosen Variationen und Finessen Mozarts nahtlos und risikofreudig vor sich her, bis zu einem überwältigenden “Tempo presto”, nach dem er heiter den aufbrausenden Applaus genoss.

Mit Mozarts heiterer, lieblicher Klangpalette knüpfte Eva Friedrich ... an das furiose Rondo des Klaviers an. Vom ersten Ton an rührte ihre schöne Stimme, die sowohl mädchenhaft reizend aufleuchten, wie sich melodisch ernsthaft ausdrücken kann, das große Auditorium. Rezitativ und Arie “Giunse alfin il momento” der Susanna aus “Die Hochzeit des Figaro” waren nur der Vorgeschmack für das spannende, tief beseelte und fragile, von der Sologeige Johannes Enders’ begleitete Lied “Morgen!” ... von Richard Strauss. Die problemlosen Höhen und weichen Übergänge aller Klangfarben dieser besonderen Stimme fanden ihre Erfüllung in der Arie “Son pochi fiori” von Pietro Mascagni und der selbstverständlichen Zugabe des emotionalen Highlights “O mio babbino caro” von Giacomo Puccini.

Der zweite Teil des Konzerts galt einer der schönsten Sinfonien Ludwig van Beethovens, ... der “Pastorale”. Hier zeigte Néstor Bayona, wie tief er sich in die Seele der Deutschen Romantik eingefühlt hatte. Auch wenn der revolutionäre Klassiker Beethoven die aufkommende Programmatik in der Musik ablehnte, ist diese aus den feuchten Wiesen aufsteigende Idylle des Landlebens mit ihrem “lustigen Zusammensein der Landleute”, den Hirten auf dem Felde und mit Sturm und Gewitter drohenden Naturgewalten ein erstes großes Gemälde der Romantik. Demut und Gottvertrauen beenden als “frohe und dankbare Gefühle nach dem Sturm” die frisch und flott fließende Auffassung des romantisch inspirierten Dirigenten, der von seinen Musikern wie vom beeindruckten Konzertpublikum gefeiert wurde.
 


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