Werke        2014

Das Programm der 11. Kronacher Klassik AKADEMIE huldigt mit Mozart, Beethoven und Mendelssohn drei der bedeutendsten deutschsprachigen Komponisten des Epochenübergangs zwischen "Klassik" und "Romantik". Während einerseits die "Wiener Klassiker" Mozart und Beethoven von E. T. A. Hoffmann als wahrhaft "romantische" Komponisten gefeiert wurden, erscheint uns andererseits der Frühromantiker Mendelssohn durch die formale Klarheit und elegante Geschmeidigkeit seiner Musik noch typisch "klassisch". Wem kämen da nicht Zweifel an der Tauglichkeit schulbuchhafter Schubladisierungen ...

1829 bereiste der damals 20-jährige Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem befreundeten Dichter Karl Klingemann England und Schottland. Dabei besichtigten die beiden auch die Insel Staffa in der Inselgruppe der Hebriden an der schottischen Westküste, auf der sich die imposante Felshöhle mit dem Namen "Fingal's Cave" befindet – benannt nach einer sagenhaften Heldengestalt im dichterischen Werk des vorgeblich altnordischen Barden "Ossian" (hinter dem sich ja in Wirklichkeit der schottische Dichter James MacPherson verbarg). Seine Eindrücke von dieser Exkursion hielt Mendelssohn am 10. August 1829 in einem Brief an seine Eltern fest:

"Die schottischen Hochlande und das Meer brauen miteinander nichts als Whisky, Nebel und schlechtes Wetter. Die Fahrt mit unserem Dampfschiff war alles andere als erfreulich. Je tiefer das Barometer fiel, desto höher stieg die See. Die Ladies fielen um wie die Fliegen, und der ein oder andere Gentleman tat es ihnen gleich. Als wir an den Hebriden, jener sagenumwobenen Inselgruppe, vorbeikamen, wollten einige trotz der tosenden See die berühmte Höhle der Wahrsagerin [sic!] Fingal sehen. Und so wurden wir in Booten ausgesetzt und kletterten bald darauf am gischtigen Meer entlang zu jener Grotte. Ein grüneres Weelengetose schlug allerdings nie in eine seltsamere Höhle – mit ihren vielen geborstenen Pfeilern dem Inneren einer ungeheuren Orgel vergleichbar. Schwarz, schallend und ganz zwecklos für sich allein daliegend – das weite graue Meer darin und davor. Um Euch zu verdeutlichen, wie seltsam mir auf den Hebriden zumute geworden ist, fiel mir eben folgendes bei ... "

Im Folgenden notierte Mendelssohn den Anfang eines Orchesterwerks, dessen vollständige Ausarbeitung zur Konzert-Ouvertüre er im Dezember des folgenden Jahres in Rom abschloss – zumindest vorläufig, denn mit der 1832 in London aufgeführten Erstfassung unter dem Titel "Die Inseln des Fingal" war der Komponist noch nicht zufrieden. An seine Schwester Fanny schrieb er: "Der ganze Mittelteil riecht noch zu sehr nach Kontrapunkt und sollte doch mehr nach Salzluft, Lebertran und Möwen schmecken." In der Folge revidierte Mendelssohn die Komposition, deren Einzelstimmen und Partitur in ihrer abschließenden Gestalt erst 1834/35 unter den Titeln "Die Hebriden" bzw. "Die Fingals-Höhle" erschienen.

Nur knapp zwei Monate vor seinem Tod vollendete Wolfgang A. Mozart mit dem Klarinetten-
konzert KV 622 sein letztes Instrumentalwerk. Schon 1787 hatte er die Musik des ersten Satzes als ein Allegro in G-Dur für Bassetthorn komponiert, eine Art Tenor-Klarinette in quinttieferer Stimmung. Zwischen dem 28. September und dem 7. Oktober 1791 versetzte er das Stück dann nach A-Dur, fügte ein Adagio und ein Rondo hinzu und arbeitete es für eine "Bassettklarinette" aus, wie sie der mit ihm befreundete Klarinettist und Freimaurer-Mitbruder Anton Stadler (1753-1812) spielte. Stadler war um 1783 zum Mitglied der Kaiserlichen Harmonie ernannt und 1787 in die k. k. Hofkapelle aufgenommen worden. Um die bautechnische Verbesserung seines Instruments bemüht, hatte er den Umfang der "normalen" Klarinette nach unten um die Halbtöne es, cis und c erweitert und so eine "Bassettklarinette" daraus gemacht. Die zeitgenössische Kritik lobte Stadlers ausdrucksstarken Ton ("Hätt's nicht gedacht, dass ein Klarinet menschliche Stimme so täuschend nachahmen könnte …"), und tatsächlich präsentiert Mozarts Konzert die Klarinette als ein Instrument, das trotz seiner virtuosen Geläufigkeit und halsbrecherischen Registerwechsel immer auch eine phänomenale Gesanglichkeit beibehält. Besonders deutlich wird das im berühmten zweiten Satz, einem Adagio, dessen überirdische Schönheit in wunderbarem Kontrast zur allzu irdischen Natur von Mozarts verbaler Hinterlassenschaft steht. So schreibt er am 7./8. Oktober 1791 nach Abschluss der Komposition an seine Frau Constanze: "2 Parthien Billard. – dann verkauffte ich um 14 duckaten meinen kleper – dann ließ ich mir durch Joseph den Primus rufen und schwarzen koffé hollen, wobey ich eine herrliche Pfeiffe toback schmauchte; dann Instrumentirte ich fast das ganze Rondó vom Stadler."

Als am 8. Dezember 1813 Ludwig van Beethovens 7. Sinfonie im großen Redoutensaal der Universität in Wien uraufgeführt wurde, befand sich unter den Orchestermitgliedern eine wahrlich illustre Reihe prominenter Komponistenkollegen: Salieri, Hummel, Spohr, Moscheles und Meyerbeer, vermutlich auch Giuliani. Ähnlich illuster ist die Reihe von prominenten Kommentatoren des Werks. So nannte es Richard Wagner eine "Apotheose des Tanzes", Romain Rolland eine "Orgie des Rhythmus", Hector Berlioz verglich den ersten Satz mit einem "Bauerntanz", Clara Schumanns Vater Friedrich Wieck meinte, man könne so etwas nur im betrunkenen Zustand komponieren, und Carl Maria von Weber soll nach einer Aufführung Beethoven "reif für das Irrenhaus" erklärt haben. Tatsächlich kann man die beharrliche Wiederholung bestimmer rhythmischer Figuren als manisch empfinden, und wirklich bewegt sich die stürmische Euphorie des sforzato-reichen Schlusssatzes an der Grenze zur Raserei, sodass es glaubwürdig klingt, wenn Beethovens Adlatus Anton Schindler die frenetische Publikumsreaktion auf die Uraufführung beschreibt: "Die Jubelausbrüche während der A-Dur-Sinfonie […] übertrafen alles, was man bis dahin im Konzertsaal erlebt hatte."
Mag sein, dass auch die politischen Umstände ihren Anteil am überwältigenden Erfolg des Werkes hatten, der zu den größten in Beethovens Karriere zählt. Im Zuge der europäischen Befreiungskriege hatte sich im August 1813 auch Österreich gegen Napoleon erhoben, und durch dessen Niederlage bei der Leipziger Völkerschlacht im Oktober waren die Wiener in einen patriotischen Taumel versetzt worden. In dieser Stimmungslage fand die Uraufführung der 7. Sinfonie op. 92 zusammen mit Beethovens sinfonischem Schlachtengemälde "Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria" op. 91 im Rahmen eines Wohltätigkeitskonzert zugunsten österreichischer und bayerischer Kriegsinvaliden statt, und Beethoven bedankte sich danach bei allen Mitwirkenden mit den Worten: "Uns alle erfüllt nichts als das reine Gefühl der Vaterlandsliebe und des freudigen Opfers unserer Kräfte für diejenigen, die uns so viel geopfert haben."

BMS


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