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2004 - Pressestimmen

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Volle Bandbreite der Dynamik genutzt
Klassik Akademie in Kronach: Abschluss mit Konzert in der Stadtpfarrkirche St. Johannes

In memoriam Burghard Fussek. Mehr denn je. Denn die rund 40 Musikerinnen und Musiker machten letzten Sonntag das wahr, was Burghard Fussek schon immer etablieren wollte: Ein klassisches Sinfonieorchester in Kronach. Auf eine Initiative von Kronach Creativ hin, in Zusammenarbeit mit Kronacher Schulen, wurde zur Klassik Akademie in Kronach eingeladen. Und es kamen viele Musikprofis und -talente aus ganz Deutschland, um daran teilzunehmen.

Als Einleitung spielte das Nachwuchsorchester der Sing- und Musikschule unter der Leitung von Monika Herr auf, die eigens dafür den "Leierkasten" komponiert hatte. War in den ersten Takten die Nervosität noch leicht spürbar, spielten die Kleinsten doch recht souverän und die Zuhörer in der Stadtpfarrkirche St. Johannes dankten es ihnen mit reichlich Applaus.

Sogleich darauf schallte die "Sonata" für Blechbläserseptett von Giovanni Battista Buonamente von der Empore herab. Mit klanglichem Volumen spielte das Ensemble gerade so getragen, dass das Stück nicht langatmig erschien, die schnellen Passagen jedoch auch nicht im allgemeinen Hall verschwammen.

Der erste Kontrast zu den wuchtigen Blechbläsern folgte mit dem "Konzert für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo" von Johann S. Bach. Die beiden Solisten Johannes Klumpp und Svetlin Valtchanov harmonierten sehr gut untereinander und mit dem Begleitorchester, was aufgrund der wenigen Proben nicht selbstverständlich ist. Das "Largo non tanto" war sehr gefühlvoll gespielt und ließ einen in Träume versinken. Wer zu lange träumte, wurde durch das anschließende "Allegro" heraus- und durch die ausdrucksstarke Spielweise der Solisten mitgerissen.

Die "Motivbetrachtung" für zwei Querflöten und Orgel wurde von Burghard Fussek komponiert. Wer besser könnte es interpretieren, als sein Schüler Christian Meusel, der, begleitet von Dr. Stefan Arneth an der Orgel, zusammen mit Kathrin Beetz den Zuhörern die "sanften Flötentöne" beibrachten. Das interessante Detail hierbei war die Harmonie zwischen dem tiefen Orgelteppich und den hohen Flötenstimmen. Danach tönte wieder das Blechbläserseptett durch die Stadtpfarrkirche. Diesmal nicht mehr von der Empore, sondern von vorne rechts spielten sie die "Suite" aus "Le Trésor d´Orphée" von Antoine Francisque. Einleitend mit dem ruhigen "Prélude" kam der majestätische Klang des "Ballet" mit den schönen Dynamikwechseln sehr zur Geltung. Die "Branle" wirkte etwas gehetzt, wurde aber von der grandiosen "Gavotte" überdeckt. Unterstützend wirkten hier das Glockenspiel und die Pauken mit.

"Vado, ma dove?" Wohin die Sängerin in Wolfgang A. Mozarts Arie für Sopran und Orchester ging, ist nicht genau bekannt. Die klare Stimme von Gesangsstudentin Stephanie Simon jedenfalls ging direkt ins Herz. Mit ihrer guten Artikulation und ihrer Ausdrucksstärke tänzelte sie auf dem Klangteppich, der vom Orchester gelegt wurde, durch die Zuhörerreihen.

Ebenfalls ein Höhepunkt war die Interpretation Joseph Haydns "Konzert für Violoncello und Orchester" von Ulrike Maria Gossel. Sie spielte das "Allegro moderato" in eindrucksvoller Weise und meisterte auch schwierige Passagen, als ob diese nur für sie geschrieben wurden. Erstaunlich ist dies nicht, belegte Ulrike Maria Gossel doch namhafte Meisterkurse und ist international bei vielen Konzerten zu hören.

Der Auftritt des Holzbläserquintetts könnte bei einigen Zuhörern Verwunderung hervorgerufen haben: Ist ein Waldhorn des "Waldes" wegen ein Holzblasinstrument? Nicht ganz. Vielmehr ist dies geschichtlich begründet. Das Horn hatte schon immer die Zwitterrolle, mal zu den Blech- und mal zu den Holzbläsern zu gehören. Unabhängig davon verband es sich vorzüglich mit den anderen Instrumenten um die "Easy Dances" von Denes Agay vorzutragen. Der "Tango" überzeugte durch die genauen Melodieübergaben zwischen den Instrumenten. Die "Polka" witzelte durch die ironisch wirkende Melodieführung.

Die "Sonata a tre mani" für Vibraphon und zwei Marimbas von Johann W. Hässler war ein Schmankerl für die Zuhörer, denn die Instrumente wurde in der Mitte der Kirche gespielt. So konnte das Publikum mit ansehen, wie die Solisten agierten und zielsicher trafen. Durch diesen besonderen Klang der Schlagwerke wurde auch Abwechslung ins Konzert gebracht, so dass es zu keiner Zeit eintönig zu werden drohte. Für die Stückauswahl des Konzerts ist ein Lob auszusprechen.

Abermals spielte ein Holzbläserquintett: In gleicher Besetzung, jedoch andere Musiker als zuvor, wurde das "Divertimento B-Dur mit Choral St. Antoni" von Joseph Haydn vorgetragen. Das "Allegro con spirito" wirkte schnell und überaus locker mit feinem Staccato-Bass im Fagott. Es folgte das chorale "Andante quasi Allegretto", in der es die Musiker gut verstanden, mit feinen Akzentuierungen den Spannungsbogen im Stück zu erhalten. Das anschließende "Rondo Allegretto" bildete einen gekonnten Abschluss des Ensemblespiels.

"Mit Lis(z)t BACH spielen!" - so könnte man das Solo für Orgel "Präludium und Fuge über B-A-C-H" beschreiben. Dr. Stefan Arneths Interpretation des Werkes von Franz Liszt ist für das gemeine Ohr sicher nicht unbedingt einfach. Den Kenner und Genießer setzt es jedoch so manches Mal in Verzückung und lässt ein Lächeln in sein Gesicht treten über die Anordnung von Akkorden, die Überleitungen zurück zum Thema und das Wiederholen desselbigen in anderen Harmonien und Tonhöhen.

Den abschließenden Höhepunkt des Konzerts bildete das Sinfonieorchester unter der Leitung von Burkhart M. Schürmann, der auch die Gesamtleitung innehatte. Der 1. Satz der "Sinfonie Nr. 8 h-Moll" von Franz Schubert, besser bekannt als "Unvollendete", entführte die Zuhörer nochmals in die Welt der anspruchsvollen Klassik. Von den hereinschleichenden Streicherklängen über leise und mittlere Melodiepassagen bis hin zum vollen Tuttiklang des Orchesters, die oft nach vorheriger Stille besonders wirkungsvoll im Gehörgang einschlugen, wurde die volle Bandbreite der Dynamik ausgenutzt. Der Dirigent verstand es dabei sehr gut, sein Orchester zu fordern, es zurückzuhalten, Spannung zu inszenieren und diese mit Wucht effektvoll zu entladen.

Es ist bei gerade einmal zwei Probenwochenenden schon erstaunlich, wieviel Harmonie im Orchester herrschte, wie man auf andere Register hörte, sich abstimmte. Besonders im Ensemblespiel wurde dies deutlich, da dort jede Unstimmigkeit sofort aufgefallen wäre. Bleibt zu hoffen, dass die Organisatoren Stephanie Simon, Christiane Stömer, Burkhart M. Schürmann und Walter Gossel den gelungenen Auftakt genießen und er sie motiviert, damit die Klassik Akademie Kronach nächstes Jahr eine Fortsetzung finden wird.

Jürgen Mark



Die Kronacher Klassik AKADEMIE ist eine Initiative von KRONACH Creativ
in Zusammenarbeit mit der Berufsfachschule für Musik Oberfranken,
der Sing- und Musikschule im Landkreis Kronach,
der Maximilian-von-Welsch-Schule Kronach
 und dem Frankenwald-Gymnasium

Träger des Kultur-Förderpreises des Landkreises Kronach
Mitglied im BDLO Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e. V.

Schirmherr Axel Kober, GMD der Deutschen Oper am Rhein

in memoriam Burghard Fussek (1942-1999)