kka_text Grußwort - Paulus 2009

Grußwort des künstlerischen Leiters

Liebes Publikum,

in weniger optimistischen Momenten fürchte ich manchmal, dass die Einstudierung und Aufführung klassischer Musik durch Laienchöre eine aussterbende Kuriosität ist, die in einigen Jahren Seltenheitswert haben wird. Nur noch wenige junge Menschen lassen sich für das Singen solcher Werke begeistern, die hohe Anforderungen an die musikalischen und stimmlichen Fähigkeiten der Ausführenden stellt. Leider führt auch die flächendeckende Versorgung mit MP3-Playern nicht zu einer immer umfassenderen Musikalisierung der Jugendlichen; im Gegenteil verkümmern sowohl die eigene Stimme als auch die musikalische Vorstellungskraft unter einer passiven Dauerbeschallung.

Dass es uns trotz dieser widrigen Umstände gelungen ist, mit über 140 jungen Menschen ein Werk vom Ausmaß und Anspruch des "Paulus" einzustudieren, grenzt an ein kleines Wunder – ein Wunder, dessen Zeuge Sie heute werden! Zu verdanken ist es dem Zusammenwirken einer Vielzahl von begeisterungsfähigen Menschen: die Musiklehrkräfte, die sich von einer Idee anstecken ließen und ihre Schülerinnen und Schüler zu wahren Höchstleistungen motiviert haben; die ehrenamtlichen Organisatoren, die Tage und Wochen ihrer Freizeit in die Arbeit hinter den Kulissen investiert haben; die kulturpolitischen Entscheidungsträger, die den Wert des Projekts anerkannt und uns finanziell unterstützt haben. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank!
 

Gleichberechtigt neben der (musik-)pädagogischen Intention des "Paulus"-Projektes stand von Beginn an die Idee, mit der heutigen Aufführung zwei bedeutende Persönlichkeiten anlässlich ihrer Jubiläen zu ehren: einen wahrhaft genialen Komponisten zu seinem 200. Geburtstag und einen richtungsweisenden Missionar zu seinem 2000. Geburtstag. Dass wir das in der Pressiger Herz-Jesu-Kirche tun, ist eine wirklich wundersame Koinzidenz. Als nämlich 1957 in Pressig eine neue Kirche gebaut werden sollte, entwarf sie der damalige Pfarrer Georg Bank einer persönlichen Leidenschaft folgend nach dem Vorbild der römischen Basilika "San Paolo fuori le mura", die an just der Stelle steht, an der einst der Apostel Paulus begraben wurde.

Dies bedenkend hoffe ich, dass die heutige Aufführung unter einem guten Stern steht und Sie danach erfüllt und bereichert nach Hause gehen.


Burkhart M. Schürmann
Stellv. Leiter der Berufsfachschule für Musik Oberfranken

Paulus-Mosaik, Herz-Jesu-Kirche Pressig


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